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      "Mein Kongress - online kompakt": digitaler Zahnärztetag in Corona-Zeiten

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      der junge zahnarzt
      Springer Medizin

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          Abstract

          Erstmals konnte auf Grund der COVID-19-Pandemie der Wissenschaftliche Kongress des Deutschen Zahnärztetags nicht als reales Get together stattfinden. Die Veranstalter hatten angesichts drohender Stornierungskosten frühzeitig umgedacht: Unter dem Titel "Mein Kongress - online kompakt" zum hochaktuellen Thema "Orale Medizin und Immunkompetenz" wurde online ein knapp dreistündiges komprimiertes Programm mit drei Referenten erstellt. Wer sich am 13.11.2020 um 15 Uhr vor den heimischen Rechner setzte, um am Kongress teilzunehmen, bekam eine professionelle Online-Veranstaltung geboten, bei der alle Schaltungen klappten, Harriet Heise als kompetente Moderatorin durch die Veranstaltung führte, technische Probleme dieses Mal einfach darin bestanden, dass die Referenten die Bildschirmfreigabe noch einmal neu starten mussten, und auch die Videobotschaft von Gesundheitsminister Jens Spahn nicht fehlte. 385 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten dieses Angebot, das Programm live über Zoom zu verfolgen, Fragen zu stellen und CME-Punkte zu erwerben. Zusammen mit den nachträglichen rund 3700 Abrufen (Stand: 17. November 2020) auf der Homepage des Deutschen Zahnärztetags (www.dtzt.de) und Facebook wurden die Erwartungen der Veranstalter (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde [DGZMK], Landeszahnärztekammer Hessen [LZKH] sowie Quintessenz Verlag) erfüllt. "Ich freue mich sehr über das große Interesse an zahnmedizinischer Fortbildung zu einem wichtigen und zukunftsweisenden Thema in diesen schwierigen Zeiten! Schweren Herzens haben wir im Frühjahr den Präsenzkongress absagen müssen. Die Entscheidung, für die Kolleginnen und Kollegen ein kompaktes Online-Angebot zu einem aktuellen Thema zu entwickeln, war absolut richtig", so DGZMK-Präsident Prof. Dr. Roland Frankenberger (Universität Marburg) in seiner Begrüßung. Frankenberger selbst stellte in seinem Vortrag die Bedeutung und Zukunft der Zahnmedizin als orale Medizin, ihre Systemrelevanz und die vor ihr stehenden Herausforderung heraus. Prof. Dr. Sebastian Hahnel beschäftigte sich anschließend mit der Mundgesundheit im demografischen Wandel, und Dr. Klaus Bastendorf fasste praxisnah die Empfehlungen für ein zeitgemäßes klinisches Protokoll für PZR/UPT/GBT zusammen. Standortbestimmung der Zahnmedizin in Deutschland Als eine Standortbestimmung der Zahnmedizin in Deutschland erwies sich dabei der Vortrag von Prof. Frankenberger. In einem historischen Abriss, der u. a. mit den 1970er und 80er Jahren die Zeit beleuchtete, in der Zahnärztinnen und Zahnärzte "übermäßig reich" werden konnten, weil praktisch jede prothetische Leistung voll bezahlt wurde, sah Frankenberger den Grund für den immer noch geltenden Ruf des Zahnarztes als Überverdiener, der mit dazu beigetragen haben dürfte, dass ein geplanter Rettungsschirm für die Zahnmedizin in Deutschland einfach wieder eingeklappt wurde. Eindringlich schilderte Frankenberger, wie die Pandemie die Zahnmedizin in Deutschland auf den Kopf gestellt habe. An der Hochschule bedeutete das: ein Sommersemester ohne Studierende im Hörsaal, die Vorlesungen fanden nur noch virtuell statt. Und auch das Wintersemester stehe schon auf der Kippe. Die Gefahr eines kompletten Semesterausfalls drohe, das Bundesgesundheitsministerium habe mit der Veränderungsverordnung reagiert, und die Kultusministerkonferenz habe bereits signalisiert, dass ein Semesterausfall denkbar sei. Die Umsetzung der neuen Approbationsordnung sei auf 2021 verschoben worden. Ansteckungsgefahr in Praxen geringer als befürchtet Eines habe sich während der Krise herauskristallisiert: Die Ansteckungsgefahr in den Praxen ist geringer als ursprünglich befürchtet. Das habe schon eine große Studie aus dem Ursprungsort der Pandemie Wuhan gezeigt. Großes Lob zollte Frankenberger Prof. Dr. Hilal Al Nawas, der mit einer Mainzer Arbeitsgruppe sehr rasch eine S1-Leitlinie "Umgang mit zahnmedizinischen Patienten bei Belastung mit Aerosol-übertragbaren Erregern" erstellt hat. Diese Hilfestellung für die Praxen wird als Living Guideline im Netz aktualisiert. "Wir dürfen uns nicht wichtiger machen, als wir sind", stellte Frankenberger fest. "Aber wir dürfen uns auch nicht verstecken. Wir sind die Gesunderhalter der Immunbarriere." Damit leitete er über auf eine Schwerpunktausgabe der Quintessenz zum Thema "Orale Medizin und Immunkompetenz", in der 14 Autoren die Bedeutung der oralen Immunkompetenz aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Er dankte den Premium-Partnern des Deutschen Zahnärztetages dafür, dass sie die Kosten dafür tragen, dass jedes DGZMK-Mitglied sowie die Teilnehmenden am Online-Kongress eine Ausgabe erhalten. Wie wichtig die orale Immunbarriere sein kann, zeigte sich in der höheren Mortalität in Ländern wie Spanien, Frankreich oder Italien, in denen ein schlechteres zahnärztliches Versorgungsprinzip und ein geringerer Individualprophylaxe-Level als in Deutschland herrschten, so Frankenberger. Der DGZMK-Präsident stellte dann noch ein zum Zahnärztetag erschienenes Positionspapier des DGZMK-Vorstands "Perspektive Zahnmedizin 2030" vor, das im vergangenen Jahr entstanden ist. Das Papier ist auf der Homepage der DGZMK (www.dgzmk.de/aktuelles) abrufbar. Einige Imperative daraus: "Die Zahnmedizin muss wissenschaftsgeleitet sein, es ist ein universitäres Medizin-Fach", erläuterte Frankenberger. Wichtig seien auch die horizontale Vernetzung mit der Medizin und die Präventionsorientierung. "Prävention ist unser Rettungsschirm" In seinem Fazit stellte der DGZMK-Präsident fest: "Die Zahnmedizin befindet sich in einer kritischen Phase, dieser Umstand ist in der COVID-19-Krise lediglich stärker zum Vorschein gekommen, die Phase gab es aber schon vorher. Eine Benachteiligung der Zahnmedizin ist politisch kinderleicht umzusetzen, da man seit 30 Jahren Klischees herauskramt." Er schlug vier Lösungsansätze vor: Eine Zahnmedizin sowohl bezüglich der Fächer als auch der trilateralen Vorgehensweise von Bundeszahnärztekammer (BZÄK), DGZMK und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV). Nur wer mit einer Stimme spricht, wird gehört. Die Prävention ist unser Rettungsschirm. Wir sind Mediziner und somit systemrelevant. Besinnung auf das Wesentliche: die schönen Seiten unseres Berufs. Bemerkenswert war noch eine per Video eingespielte Sequenz mit dem Past-Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Prof. Dr. Claus F. Vogelmeier, der beispielhaft drei Bereiche nannte, in denen die Innere Medizin auf die Zahnmedizin zurückgreift: Patienten mit einer septischen Konstellation mit unklarem bakteriellem Status, dort sei die Zahnmedizin immer im Fokus, um diesen zu identifizieren. Ältere Menschen mit Osteoporose, die mit Osteoblasten behandelt werden und die dann schwere Nebenwirkungen im Mund-Kiefer-Bereich aufweisen. COPD, die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Man lerne, dass hier das Mikrobiom eine entscheidende Rolle spiele, sowohl für die Entwicklung als auch für den Verlauf. Hier schienen insbesondere Veränderungen des Zahnfleisches und Parodontose von Relevanz zu sein. Zum Thema Systemrelevanz merkte Vogelmeier an: "Der Begriff Systemrelevanz stammt ja aus der Finanzwelt, und ich weiß nicht, wie man den auf andere Lebensbereiche übertragen soll." Die Relevanz der Zahnmedizin stehe für die Innere Medizin fest. "Ich glaube, dass wir uns gegenseitig brauchen." Ergänzt wurde das wissenschaftliche Programm erstmals durch eine anschließende politische (Online-)Diskussionsrunde mit dem Präsidenten der Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel, und dem Vorstandsvorsitzenden der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Wolfgang Eßer. "Die aktuelle Situation und Position der Zahnmedizin und der Zahnärztinnen und Zahnärzte in der Corona-Pandemie sollte nicht unbearbeitet und unkommentiert bleiben. Diese politische Diskussionsrunde war eine wichtige Ergänzung des fachlichen Angebots", so Frankenberger.

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          Springer Medizin (Heidelberg )
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          1869-5752
          15 January 2021
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          694
          10.1007/s13279-020-0694-8
          7753103
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